Ratgeber & Checkliste: Welpensozialisierung

Als wir uns darauf vorbereitet haben, einen 8 Wochen alten Flauschball nach Hause zu holen, haben wir uns einen Plan gemacht, wie die ersten Wochen ablaufen sollten. (Wir stehen auf Pläne!)

Eingewöhnen, Training für Stubenreinheit und die Basics im Zusammenleben standen natürlich auf unserer Liste. Aber vor allem haben wir uns in den ersten Wochen mit dem Thema Sozialisierung auseinandergesetzt.

Was ist Sozialisierung?

In der 8.–12. (einige sagen bis zur 14. oder 16.) Lebenswoche sind Welpen sehr aufgeschlossen für Neues. Sie saugen alle Eindrücke auf wie ein Schwamm, und diese prägen ihre Reaktionen als erwachsener Hund deutlich mit.

In dieser Phase ist es wichtig, den Welpen zu sozialisieren, also mit vielen Dingen bekannt zu machen. Man soll dem Welpen neue Oberflächen, verschiedene Menschen und Orte, seltsame Objekte, Tiere und Geräusche zeigen.

Aber Achtung: Zeigen reicht nicht.

Man möchte unbedingt sicherstellen, dass der Welpe etwas Positives mit diesen Dingen verbindet. Denn Sozialisierung soll dabei helfen, Angst vorzubeugen, bevor sie überhaupt entsteht. Der Welpe soll erkennen, dass die Welt grundsätzlich ein freundlicher Ort ist.

Natürlich heißt Sozialisierung auch, dass der Welpe lernt, wie man mit anderen Hunden umgeht (und wie nicht) – das ist aber nur ein Teil.

Unsere Züchter haben perfekte Vorarbeit geleistet: Dea kannte bereits verschiedene Untergründe, Menschen, Hunde und Geräusche. Sie war und ist unglaublich unerschrocken und neugierig.

Sozialisierungsphase planen

Wenn das so wichtig ist, wo soll man also beginnen? Erstmal nichts überstürzen. Auch wenn die erste Zeit wichtig ist, haben wir Dea erstmal Zeit gegeben, um sich an ihre neue Umgebung bei uns zuhause zu gewöhnen. Wir haben immerhin ihre komplette Welt auf den Kopf gestellt!

Wer sich jetzt – wie wir – einen Plan machen will, kann sich mit einer Sozialisierungs-Checkliste hinsetzen und die ersten Wochen planen: Wer kommt wann zu Besuch? Wann gehen wir wo hin? Wann und wo lernt unser Welpe was kennen?

Unsere Sozialisierungs-Checkliste

Unsere Checkliste basiert auf der Liste von Dr. Sophia Yin, einer ganz tollen Verhaltensforscherin und Autorin von "Wie der Mensch, so der Hund: Mit positiver Bestärkung zum glücklichen Team"* und "Perfect Puppy in 7 Days"* (englisch). Wir haben sie aber ein bisschen um Dinge aus unserem Landleben erweitert: Traktoren zum Beispiel. Ganz wichtig bei uns!

Wenn ihr wollt, könnt ihr die Liste gerne für euch verwenden.

Hier könnt ihr unsere Sozialisierungs-Checkliste für Welpen downloaden!

Wir haben einfach die einzelnen Dinge abgehakt, sobald wir das Gefühl hatten, dass Dea selbstbewusst und in verschiedenem Kontext mit ihnen umgehen kann (Autos auf unserer wenig befahrenen Straße und einer größeren zum Beispiel).

Alles haben wir nicht abgehakt in den kurzen Wochen, und das ist gut so. Wir wollten Dea auf keinen Fall überfordern. Pausen & Ruhe sind wichtig, damit der Welpe die Eindrücke verarbeiten kann. Stundenlanges "Mitschleifen" sollte vermieden werden.

Nur, weil die Sozialisierungsphase irgendwann zu Ende ist heißt das nicht, dass sich der Hund nie wieder an etwas Neues gewöhnen kann oder davor immer Angst haben wird.

Ein junger Hund unserer Züchter kannte zum Beispiel keine Männer mit Bart. Als das zukünftige Dea-Herrli damals mit seinem langen Hipster-Bart antanzte, wurde der erstmal beschnüffelt, die Schnauze reingesteckt und dann akzeptiert: „Menschen haben manchmal eben sowas Komisches im Gesicht.“ Kein Drama!

Eine schlechte Erfahrung ist viel schwieriger wieder auszumerzen.
Wir würden euch also raten, zu priorisieren: Was begegnet euch im Alltag ständig, und was eigentlich nie?

Unsere Tipps für die Welpensozialisierung

  1. Mach es lustig.
    Mach dich ein bissl lächerlich. So mögen’s Welpen am liebsten! Nimm dir einen Ast und animier deinen Hund dazu, ihm nachzujagen – und schwupps, da seid ihr auch schon über die Holzbalken gelaufen. Wenn dein Welpe dann merkt „Hey, da ist ja gar nichts passiert!“ kannst du ihn nochmal ruhig drübergehen lassen.

    Wenn sich der Welpe vor etwas schreckt (z.B. einem umgefallenen Besen), versuche die Situation mit einem lustigen Spiel und deiner spaßigsten Tonlage aufzulösen. Im besten Fall überlagert die positive Emotion den Schreck!
  2. Gib deinem Welpen das Gefühl, dass er gewonnen hat.
    Dein Hund soll selbstbewusst werden und eure Abenteuer super finden. Das heißt erstens, dass du dich ehrlich mit ihm freuen kannst, wenn dein Welpe etwas geschafft hat. Und zweitens solltest du die Situation so gestalten, dass er auf jeden Fall gewinnt!
  3. Sei großzügig mit Leckerlis.
    Gib deinem Welpen etwas besonders Leckeres als Belohnung für das Annähern an neue Menschen, Geräusche & Gerüche oder für’s Relaxed-Bleiben in ihrer Nähe. Das hilft ihm, die Situation positiv zu verknüpfen.

    Dein Ziel ist aber, dass dein Welpe selbstbewusst mit seiner Umwelt umgeht, ohne sich auf das Futter in deiner Hand zu konzentrieren. Wir haben Leckerlis eher nur als Belohnung verwendet, nicht als „Lockmittel“. Wenn dein Welpe keine Leckerlis mehr nimmt, kannst du das übrigens als Zeichen sehen, dass er zu aufgeregt ist. In dem Fall:
  4. Geh’s langsam an.
    Bestehe nicht darauf, dass dein Welpe sich etwas nähert und zwinge ihn nicht in eine Situation. Gib ihm immer einen Ausweg! Wenn Dea zu aufgeregt war, haben wir uns ein bisschen entfernt, etwas mit ihr gespielt oder sind einfach nur mit ihr gesessen und haben uns dann wieder langsam rangetastet.

    Das gilt auch für ängstliche Hunde, obwohl wir mit unserem Abenteuer-Zwerg in dem Bereich zugegeben eher keine Erfahrungen haben.
  5. Belohne es, wenn sich dein Hund an dir orientiert.
    Dein Hund soll sich in neuen Situationen am besten auf dich konzentrieren und schauen, was du so machst. Belohne das! Exzessiv! Schau, dass du den Fokus auf dich lenken kannst, auch wenn es gerade aufregend ist.

    Wir haben aus Deas Welpen- und Junghundephase gelernt und würden heute noch mehr Wert darauf legen, dass wir ruhiger & gemeinsam in eine neue Situation gehen können. Fokus, Fokus, Fokus! (Lies hier mehr über 5 Fehler, die wir im Welpen-Training gemacht haben!)
  6. Mehr ist nicht immer besser.
    Ja, Welpen sollen viele Erfahrungen sammeln. Aber nur gute! Deshalb solltest du den Welpen nicht mit jedem Hund spielen oder von jedem Menschen angreifen lassen, den du triffst. Suche die Hunde aus, die freundlich spielen können, und die Menschen von denen du weißt, dass sie einen Hund richtig angreifen können.
  7. Besuch eine Welpen-Spielgruppe.
    Buche am besten schon einen Platz in einem Welpenkurs, bevor dein Hund nach Hause kommt. Hier kann dein Welpe erste Erfahrungen sammeln, wie man mit Hunden anderer Rassen spielt und wie andere Hunde sagen „Ich mag jetzt nicht mehr“.

    Achte aber darauf, dass die Welpengruppe gut angeleitet wird. Spielen über einen langen Zeitraum hinweg, keine Pausen oder der Satz "Die machen das schon unter sich aus" sind No-Gos! Dann lieber zuhause bleiben...

So könnte dein Welpe reagieren:

  • Aufgeregt / Ängstlich: Knurren, Bellen, Zwicken, sich winden, sich drauf stürzen
  • Vermeiden: sich verstecken, weglaufen, zögernd sein
  • Erstarren: ganz stillhalten oder sich langsam bewegen, skeptisch, „müde“
  • Relaxed: erkundet die Umgebung oder das Objekt spielerisch

Wenn dein Welpe die ersten drei Reaktionen zeigt, fühlt er sich offensichtlich noch nicht wohl. Das kann von Situation zu Situation unterschiedlich sein. Vielleicht mag dein Welpe Kinder total, aber Kinder auf Fahrrädern findet er übelst einschüchternd.

Geh’s langsam an, aber versuche trotzdem dran zu arbeiten und probier’s nochmal, bis dein Hund im Optimalfall relaxed ist.

Du fühlst dich noch nicht gut genug vorbereitet? Oder brauchst Tipps spezifisch für deinen Welpen? Frag am besten einen Trainer, dem du vertraust. Viele Trainer bieten sogar schon Beratungsgespräche an, bevor ein Welpe bei dir einzieht. (Wenn du noch eine Hundeschule suchst, wirst du vielleicht in unserer Liste von Hundetrainern in Österreich fündig!)

Wenn du dir also noch unsicher bist, lass dir doch einfach helfen!


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