Rasseportrait: Warum wir uns für einen Belgischen Schäferhund entschieden haben

Die Entscheidung, uns einen Belgier-Welpen zu holen haben wir uns nicht leicht gemacht. Auch wenn von Anfang an feststand, dass der Belgische Schäferhund unsere Traum-Rasse ist, haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht, ob wir ihr gerecht werden können.

Wir lieben die Belgier ja schon lange. Das Herrli ist mit ihnen aufgewachsen. Sein Seelenhund Hexor (ein Tervueren) hat ihn durch seine Jugend begleitet. Ich habe mich in das von Verwandtschaft dienstlich geführte Belgier-Mädchen verliebt – sie war der erste Hund, der mich wirklich komplett für sich gewann.

Was wir an Belgischen Schäferhunden lieben

  • Wir lieben an Belgiern, dass sie intelligente Hunde sind, die sehr auf ihre Menschen fixiert sind.
  • Sie sehen im Stillstand sehr elegant aus, in Bewegung sind sie kleine Raketen.
  • Belgier sind unglaublich ausdrucksstark und für uns sehr leicht zu lesen – Körpersprache und Mimik sind einfach einzigartig.
  • Belgische Schäfer bleiben im Herzen immer irgendwie Kind. Sie spielen gerne, kasperln herum, können aber von einem auf den anderen Moment in den Arbeitsmodus schalten und tolle Leistung bringen.
  • Sie haben die perfekte Größe für uns – nicht zu klein, quasi „genug Hund“.
  • Bonus: Sie haben keinen Eigengeruch!

Unsere Zweifel: Passt der Belgische Schäferhund zu uns?

Dea ist unser erster eigener Hund. Wir sind keine routinierten Hundesportler, in deren Hände man Belgier so oft sieht – sie werden immerhin oft als „K9“, also als Polizeihund eingesetzt. Wir hatten Zweifel, ob das klappen würde.

Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, versinke ich oft in Online-Recherchen. Ich wollte so viele Erfahrungsberichte und Artikel wie möglich durchforsten. In den meisten las ich sinngemäß folgende Meinung über den Belgier:

  • Gerücht 1: Ein Belgier gehört nicht in Anfängerhände. Im besten Fall zerstört er dann die Wohnung, im schlechtesten beißt er einen Menschen.
  • Gerücht 2: Belgier brauchen mindestens 23 Stunden Auslastung am Tag. (Ich übertreibe natürlich, aber die Berichte überschlugen sich quasi mit Stundenangaben für die Beschäftigung. Man traf sich im Schnitt bei 5-6 Stunden, die angeblich notwendig sind.)
  • Gerücht 3: Wenn du keinen ernsthaften Hundesport im Verein betreiben willst, lass die Finger von einem Belgier.
  • Gerücht 4: Ein Belgier kommt nicht zur Ruhe. Er ist den ganzen Tag auf den Beinen, hibbelig und überdreht.
  • Gerücht 5: Bei einem Belgier ist Wattebausch-Werfen (= Clicker-Training & Co) zwecklos.

Wow, das hört sich doch eigentlich richtig furchtbar an, oder? So hat das Herrli seinen Hexor nicht erlebt – und es schürte auch in ihm Zweifel.

Dass ein Belgier kein Couchpotato ist, wussten wir natürlich vorher. Uns war bewusst, dass wir unseren zukünftigen Hund mental & körperlich gut auslasten müssen. Für 6 Stunden Training bräuchte unser Tag aber mehr als 24 Stunden!

Wir wollten auch nicht unbedingt im Verein trainieren. Für die meisten Dinge machen wir uns die Regeln gerne selbst, wir mögen keine Wettbewerbe und machen Prüfungen nicht zum Spaß.

Und immerhin müssen wir im Homeoffice arbeiten können, ohne dass ein ruheloser Hund die ganze Zeit um Aufmerksamkeit bettelt.

Mist. Was jetzt?

Wir sprachen mit (guten!) Züchtern und HalterInnen, lernten viele Hunde kennen und haben uns schließlich auf unser Bauchgefühl verlassen.

Die objektiven Faktoren passen bei uns: Wir müssen den Hund beim Arbeiten nicht alleine lassen, haben keine langen Arbeitswege und haben genug Zeit. Wir sind in unser Haus mit Garten gezogen, in dem wir weder Nachbarn stören, noch zu wenig Auslauf haben. Das sind doch gute Voraussetzungen für ein glückliches Hundeleben!

Also haben wir uns unsere Dea nach Hause geholt. Sie ist ein Groenendael, eine Varietät des Belgischen Schäferhundes der man nachsagt sie sei die Ruhigste. (Hier könnt ihr 5 Fakten über Deas Persönlichkeit lesen!)

Wie ist der Belgier wirklich?

Unser Fazit: Ja, der Belgier ist anspruchsvoll. Ja, wir kriegen’s trotzdem super hin & es macht auch noch Spaß! 😉 Vieles im Internet ist (wie immer) übertrieben.

  • Ein Belgier braucht viel Auslastung. Aber: Qualität vor Quantität. Natürlich sind sie körperlich fit genug, um viele Kilometer zu laufen ohne müde zu werden. Ein 45-Minuten-Spaziergang mit Leckerli-Suchen, Schnüffeln, Apportieren und Tricks reicht aber aus, damit Dea danach stundenlang vor sich hin schnarcht. Ihre Nase & ihr Köpfchen einzusetzen lastet sie super aus. Sie braucht insgesamt um die 2 Stunden aktive Beschäftigung am Tag, um völlig glücklich zu sein. Von 5-6 Stunden sind wir weit entfernt, dennoch gehört Dea in „ihren“ Stunden unsere volle Aufmerksamkeit.
  • Deas Reizschwelle ist sicher niedriger als die eines Goldies oder Labradors. Sie ist sehr umweltsensibel und aufmerksam. Im Training ist das natürlich auch mal hinderlich – aber es wird besser, je älter sie wird.
  • Dea kommt zuhause prima zur Ruhe und ist ein richtig ausgeglichener Hund. Sie fordert weder permanent Aufmerksamkeit ein, noch zerstört sie etwas. Uns war das Ruhe-Training schon im Welpenalter sehr wichtig.
  • Wir gehen mit Dea den Weg des „Wattebausch-Werfens“. Das heißt für uns: Keine Gewalt, kein Kasernenhofton. Trotzdem sagen wir nicht „Möchtest du dich bitte hinsetzen? Nein? Na gut!“ Konsequenz ist für Dea sehr wichtig, sie braucht klare Strukturen.
  • Wir lieben es, uns etwas Neues auszudenken um Dea zu beschäftigen. Es macht einfach Spaß, ihr beim Arbeiten zuzusehen. Sie braucht & schätzt die Abwechslung. Im Hundesportverein sind wir trotzdem nicht.

Die Skepsis darüber, ob ein Belgier als Anfängerhund geeignet ist, ist schon berechtigt – auch wenn ich die Panik-Mache in Online-Foren nicht gut finde.

Ein Belgier verändert deinen Lebensstil, er ist neben Familienmitglied auch sehr viel Hobby. Es ist kein Hund, den man mal eben nebenbei hält. Es gibt sicher auch Vertreter der Rasse, die keinen so tollen Off-Switch haben, die im Gegensatz zu Dea fremdeln und noch eine Ecke triebiger sind.

Aber: Dea ist unser Ersthund und wir sind miteinander sehr glücklich. Wir lernen jeden Tag dazu und haben uns zu 100% auf das Abenteuer eingelassen. Dazu muss man sicher bereit sein, und es ist oft auch eine Herausforderung. Aber es lohnt sich! 😊

Habt ihr auch eine Traum-Hunderasse? Was hält euch davon ab, euch so einen Hund nach Hause zu holen?

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