Hunde kreativ belohnen – Hilfe, mein Hund mag keine Leckerlis

Training über positive Verstärkung wird ganz oft synonym mit „Leckerlitraining“ verstanden. Nicht wirklich richtig – denn es geht ja eigentlich darum, ein erwünschtes Verhalten durch Belohnung für den Hund lohnenswert zu machen. Aber Leckerli-Belohnungen sind für die meisten der logische Startpunkt.

Die meisten Bücher, Videos & Ressourcen zu positiver Verstärkung sind auf das Training mit Leckerlis ausgelegt. Übungen werden zu 99% mit Futterbelohnung erklärt. Wenn der Hund Futter gerne mag und sich damit motivieren lässt dann ist alles prima und man passt gut in’s Lernschema. Puh, Glück gehabt! Aber was tun, wenn der Hund Leckerlis nicht so toll findet?

Wenn Leckerlis nicht lohnenswert sind

Für unsere Dea sind Leckerlis meist nicht wirklich belohnend. Das heißt, dass sie damit „nicht so gut lernt“ wie ein futtermotivierter Hund – auch, wenn sie die Kekse annimmt. Sie versteht zwar, dass wir das Verhalten gut finden, wenn wir ihr dafür freudig einen Keks reichen, aber er reicht für sie als Belohnung nicht aus, um das Verhalten extra lohnenswert zu machen.

Es gibt zum Glück ganz viele Möglichkeiten, wie man seinen Hund belohnen kann. Positive Verstärkung funktioniert ja mit allem, was der Hund belohnend findet.

Jeder neue Trick und jede Bewegungsübung wird bei uns zum Beispiel mit Spieli statt Leckerli trainiert. Damit geht alles 500% schneller: Dea bewegt sich schneller, sie versteht schneller, sie verinnerlicht schneller und findet die Übung sofort super.

Für Trainingssituationen, in denen Dea ruhig bleiben soll verwenden wir oft trotzdem Futter – zum Beispiel gekochtes Henderl oder Käse – und müssen den Kompromiss des verringerten Lerneffekts eben eingehen. Während Käse für andere Hunde sicher eine Jackpot-Belohnung wäre (mit einem fiktiven Wert von 10€), ist er für Dea grade mal interessant (also fiktiv eher nur 10 Cent wert). Es schadet natürlich nichts und hat seine Berechtigung, aber es ist nicht wirklich effektiv. Praktisch ist Futter für uns als Aufregungs-Messgerät: Wenn Dea ein Leckerli annimmt, können wir sicher sein, dass sie mit der Situation oder den Reizen nicht überfordert ist.

Warum ist Futter im Training für viele die erste Wahl? Jeder Trainer und Hundebesitzer ist (zurecht) froh, wenn sich ein Hund mit Futter belohnen lässt. Es ist leise, schnell, klar – Futter ist einfach. Meistens ist es vor allem in Gruppenkursen die bevorzugte Alternative, weil alles andere unpraktisch und störend für die anderen Kursteilnehmer ist.

Wir haben für euch einige Beispiele & Belohnungsalternativen gesammelt, die wir im Alltag benutzen!

Belohnungsalternativen ohne Leckerlis

Spiel- & Bewegungsbelohnung

Zergeln & Apportierspiele: Diese Spiele verwenden wir vor allem in Situationen, in denen Dea Dampf ablassen muss. Zum Beispiel, wenn sie sich bei Hundebegegnungen zurückgehalten hat, oder generell beim braven Leine-Gehen in unserer für sie gähnend langweiligen Geschwindigkeit. Als Belohnung darf sie ausgelassen sein und sich bewegen.

Spielzeug tragen: Unsere Spielzeuge haben für Dea einen großen Wert und sie ist ganz stolz, wenn sie eines davon eine Zeit lang für sich gewonnen hat. Beim Tragen ist sie noch kein Profi (meistens müssen wir’s dann wieder einsammeln), aber das wird noch! Getragen werden kann übrigens auch ein Dummy, euer Schlüsselbund, ein Stöckchen,..

Laufen: Laufspiele spielen wir vor allem dann als Belohnung, wenn sich Dea weiter entfernt von uns wieder zurückorientiert und Kontakt mit uns aufnimmt. Wir spielen meist das Handhoch-Spiel, über das wir in unserem Artikel über Spielvarianten geschrieben haben.

Aber auch, wenn wir Dea in den Freilauf schicken nachdem sie sich zum Ableinen abgelegt hat, belohnt sie sich danach selbst mit Laufen – bevorzugt mit 200 kmH 🐕💨

Umweltbelohnung

Unsere Umwelt bietet viel Spannendes für unsere Hunde, die auch noch so viel mehr riechen als wir. Es gibt so viele Dinge, die Hunde von sich aus gerne entdecken, beschnüffeln, ansehen, anpinkeln, zerstören usw. würden. Sie sind also schon motiviert, etwas zu tun. Wieso also nicht genau das als Belohnung verwenden?

Ein Beispiel: Wir möchten aus Sicherheitsgründen nicht, dass Dea wie wild aus offenen Türen ins Freie stürmt. Wir haben das ruhige Warten zuerst an der Terrassentür geübt und sie nach einem Blickkontakt damit belohnt, in den Garten loswetzen zu dürfen.

Dea wollte ja schon total gerne raus und laufen, deshalb war das die beste Belohnung in dieser Situation. Sie hat verknüpft: „Ich darf eh gleich raus, wenn ich vorher warte und rückfrage ob das okay ist“

Das gleiche Konzept funktioniert wenn…

  • …der Hund seinen Lieblings-Busch markieren darf, wenn er an der lockeren Leine hingehen kann.
  • …ihr den Hund mit Abstand belohnt, wenn er sich diesen wünscht. Zum Beispiel nach dem Vorbeigehen an anderen Hunden, Katzen oder anderen Dingen, die ihn unsicher machen.
  • …ihr euren Hund die Spur eines anderen Hundes, einer Katze, eines Radfahrers, o.ä. nachschnüffeln lasst nachdem er ruhig vorbeigegangen ist, obwohl ihn diese Dinge brennend interessieren.

Mit Umweltbelohnungen verstärken wir vor allem ganz nebenbei Blickkontakt und Aufmerksamkeit. Das muss nämlich gar nicht in Kombination mit strukturiertem Training passieren wie in dem Beispiel mit der Terrassentür. Ihr könnt euren Hund draußen einfach ansprechen und auf etwas (für ihn) Tolles in der Umgebung hinweisen: Eine Stelle zum Graben, einen Baumstumpf zum Draufhüpfen, ein Mauseloch zum Beschnüffeln, ein Vogerl zum Beobachten, Wasser zum Reinspringen,... Auch dann merkt der Hund, dass es sich lohnt, mit euch in Kontakt zu bleiben.

Umweltbelohnungen finden wir deshalb so toll, weil man automatisch beginnt, mehr auf den Hund und seine Bedürfnisse zu achten. Mit dieser Art von Belohnungen versteht Dea Konzepte besonders nachhaltig. Außerdem stärkt es unsere Bindung, weil wir uns für das interessieren, was sie gut findet.

Verbales Feedback

Lobende, freudige Worte hört einfach jeder gerne. Vor allem Hunde, die gerne alles richtig machen möchten, freuen sich über viel Feedback von ihrer Begleitung.

Nachdem wir zu Beginn eher nur genau und starr mit Markerwort & Clicker gearbeitet haben, loben wir Dea jetzt sehr viel mehr und öfter verbal und haben gemerkt, dass sie seitdem generell lieber bei uns eincheckt.

Kontakte zu Mensch & Hund

Für Hunde, die den Kontakt zu anderen Menschen und Hunden toll finden (wie Dea!), kann eine Begrüßung und eine Runde Spiel eine tolle Belohnung sein.

Bei einem Treffen zwischen bekannten Hunden oder bei Besuch zuhause kann man das Begrüßen gut als Belohnung für ruhiges Warten beim Ableinen verwenden. Für Dea ist das wie eine Jackpotbelohnung!

(Auf Alltags-Spaziergängen verwenden wir solche Belohnungen nicht. Es ist meist sowieso nicht möglich, mit richtigem Timing eine Belohnung zu organisieren die mit Sicherheit positiv verläuft.)

Wo uns Leckerlis abgehen

Im Alltag fehlt uns das Belohnen mit Leckerlis nicht wirklich. Es ist sogar ganz angenehm, wenn man nicht immer welche dabei haben muss.

Für sehr emotionale Verhaltensweisen (wie z.B. das Anbellen von Hunden) würden wir uns schon manchmal wünschen, effektiver mit Futter trainieren zu können. Wenn's im Training mal wieder nicht so klappt wird man unweigerlich ein bisschen neidisch auf den futterverliebten Labrador, dem man neulich begegnet ist...

Dass wir mit Dea viel an passenden Belohnungen tüfteln, ist aber gleichzeitig auch eine schöne Chance für uns, unseren Hund noch besser kennenzulernen.

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