5 Spiele, bei denen dein Hund nicht überdreht: Unsere Balljunkie-Alternativen

Unser Groenendael-Mädl Dea lebt für’s Spielen. Sie liebt Zergeln, Apportieren, Laufen, Fangen,.. Wir machen natürlich gern alles mit ihr, was ihr Spaß macht. Aber wir passen auch auf, dass sie dabei nicht zu sehr überdreht.

Dea ist mittlerweile ein Jahr alt und sieht aus wie ein großes Mädchen, aber im Herz & im Kopf ist sie noch sehr viel Kind. Sie ist zu 150% energiegeladen, ungeduldig und würde einem Ball sicher auch 50 Mal non-stop hinterherflitzen, ohne zu bemerken, dass sie schon total durstig ist.

Über Balljunkies & spielsüchtige Hunde

Die Hüte- und Schäferhund-Fraktion wird ja oft als Risikogruppe für Balljunkies genannt. Das Wort habt ihr bestimmt schon gehört. Es bezeichnet Hunde, die eine richtige Sucht nach dem Glücksgefühl beim Balli-Jagen entwickeln. Hüte- und Schäferhunde bringen viele Voraussetzungen dafür mit: Sie haben die Liebe zum Hetzen, den Will-to-Please, das Balli immer wieder zu bringen und die Ausdauer.

Ohne da jetzt den Teufel an die Wand zu malen (nicht jeder Hund, der gerne apportiert ist gleich ein Balljunkie!) profitieren viele Hunde davon, wenn man Dampf aus dem Spiel nimmt.

Vor allem bei unendlichen stupiden Wiederholungen steigt nämlich die Aufregung und damit der Stresspegel (= Cortisol-Spiegel) immer höher. Der Hund tut sich dann oft schwer damit, wieder zu entspannen. Von Besitzern wird das oft als unendliche Energie wahrgenommen: „Mein Hund wird einfach nie müde!“ denken sie, und bieten dem Hund noch mehr Action an.

Darüber kann man natürlich riesige Abhandlungen schreiben, und das haben auch schon viele tolle Leute getan! Hier nur zusammenfassend ein paar Symptome von Suchtverhalten, auf die ihr achten könnt:

Zeichen für einen überdrehten Hund

  • Dein Hund ist während dem Spiel nicht mehr ansprechbar – er nimmt dich vielleicht gar nicht mehr richtig wahr.
  • Der Hund kann keine Pause machen, weil er nur mehr unruhig herumläuft.
  • Nach dem Spiel ist dein Hund lange aufgekratzt.
  • Exzessives Jaulen, Fiepen, Jammern, Bellen, Zittern,.. beim Spielen;
  • Dein Hund kratzt, leckt oder beißt sich wund – oft erst später am Abend daheim, wenn er nicht zur Ruhe kommen kann.
  • Übersprungshandlungen wie exzessives Graben, Leine-Beißen, den Mensch anspringen, Gras fressen...
  • Dein Hund ist gefühlt nie müde und fordert immer mehr Spiel ein.
  • Dein Hund wird schon nervös, wenn er sein Lieblingsspielzeug sieht.
  • Dein Hund kann keine Impulskontrolle mehr zeigen (z.B. liegen bleiben, während das Spieli fliegt oder das Zergerl nicht anbeißen, bis du freigibst)

Spiel-Alternativen statt Spielverbot

Oft bekommt man den Rat, lieber überhaupt nicht mehr mit dem Hund zu spielen, oder maximal 2-3 Minuten, um die Spielsucht zu vermeiden. Das ist oft sicher der richtige Weg.

Für Dea und uns hat der komplette Verzicht auf’s Spielen aber nicht so gut funktioniert. Erstens, weil wir Spiel als Belohnung für’s Training benutzen „müssen“, weil Dea es einfach motivierend findet. Und zweitens, weil unsere Bindung stärker wird, je kooperativer wir spielen. Es gibt eben nicht nur Schwarz und Weiß im Hunde-Alltag und man braucht immer eine gute Portion Bauchgefühl.

Wir möchten euch deshalb zeigen, wie wir Variation in unser Spiel bekommen, damit das Spielen für uns etwas Positives bleiben kann. Vielleicht ist da ja auch etwas für dich und deinen Hund dabei!

#1: Bringsel*

Dea liebt das Apportieren! Aber dafür muss nicht immer etwas fliegen und gejagt werden. Oft lassen wir beim Spaziergang einfach ihr Spielzeug fallen, und gehen mit ihr noch ein gutes Stückchen weiter. Erst dann geben wir ihr das Signal zum Bringen.

Dea brauchte kein großes Training für dieses Spiel – sie wusste  gaaaaanz genau, wo das Spieli liegt und hat die Aufgabe sofort verstanden. Wenn die Basics vom Apportieren bei euch schon klappen lasst euch nicht  davon abhalten, es einfach mal zu versuchen. Zu Beginn kann ein „Lass es“-Signal aber sehr hilfreich sein, damit euer Hund das Bringsel auch liegen lassen kann.

Bei diesem Spiel hat der Hund Freude am Loswetzen und Apportieren – aber es gibt kein Hinterher-Hetzen, während die Beute in Bewegung ist.

Fortgeschrittene können das Spielzeug auf Bäumen oder in Büschen verstecken (möglichst unbemerkt, also am besten seid ihr dazu zu Zweit unterwegs). Wenn euer Hund das Spielzeug nicht findet macht das gar nichts: Dann könnt ihr immer noch eine schöne gemeinsame Suche draus machen. Dea ist immer ganz begeistert, wenn wir ihr helfen und unsere Hinweise sie dann zum Spielzeug führen. 

* Anmerkung / Edit: „Bringsel“ ist unser Name für dieses Spiel. Uns ist ganz lieb erklärt worden, dass der Begriff Bringsel im jagdlichen Umfeld eine eigene Bedeutung hat: Ein Bringsel ist nämlich ein Anhänger, den der Jagdhund an der Halsung trägt. Wenn der Hund gefunden hat, wonach er suchen sollte (also zum Beispiel das getroffene Wild), nimmt er das Bringsel in den Fang und kehrt zum Hundeführer zurück. Danach pendelt er zwischen Fund & Hundeführer, um den Weg anzuzeigen.

Vielen Dank, lieber Klaus, für deine Erklärung! Und danke für den richtigen Begriff für unser Bringsel-Spiel: Die Übung heißt nämlich eigentlich offiziell Führerrückfährte!

Wieder was gelernt 😍

#2 Parcours laufen

Statt stupiden Wiederholungen vom Balli-Werfen könnt ihr mit Tricks und eurer Umwelt kreativ werden.

Bei uns sieht das zum Beispiel so aus: Wir schicken Dea um einen Baum herum. Während sie zurück läuft lassen wir sie sich mal um ihre eigene Achse drehen (das macht sie so süß mitten im Laufen!) und schicken sie zu einem Baumstumpf, auf den sie sich mit den Vorderpfoten stellt („Tap!“). Dann nochmal herum um einen Busch. Beim Zurücklaufen wird sie angefeuert. Wenn sie fast bei uns ist, werfen wir ihren Kong in die Luft und Dea springt, um ihn zu fangen. Sie läuft eine Siegesrunde mit ihrer Beute und bringt den Kong dann wieder zurück.

Dea durfte dabei laufen, ihr Köpfchen einsetzen und ein schönes Erfolgserlebnis haben.

Diese Sequenzen sind bei uns unterschiedlich lang und kompliziert. Ihr könnt dazu eure Umgebung verwenden (Bäume, Hügel, Parkbänke, parkende Autos,..) und die Tricks, die euer Hund eben kann. Es müssen auch gar keine richtigen Tricks sein, denn ihr könnt genauso gut gemeinsam mit eurem Hund einen Slalom durch die Absperrstangen auf einem Parkplatz laufen oder mit ihm gemeinsam auf einen Baumstumpf hüpfen. Wenn ihr euch auf den gemeinsamen Spaß konzentriert, macht euer Hund bestimmt auch gerne mit.

Verbindet ihr das Spielen mit Kopfarbeit, verfällt euer Hund weniger schnell in einen Rausch als beim wiederholten Hinterherhetzen auf der flachen Wiese.

Dea ist bei solchen Spielen immer total im Arbeitsmodus und sehr konzentriert. Sie geben ihr zusätzlich viel Selbstvertrauen. Deshalb haben wir auch immer ein paar Accessoires wie Slalomstangen oder Schüsseln im Garten verteilt, die wir für solche Spiele nutzen können.

#3 Handhoch-Spiel

Das Handhoch-Spiel haben wir in den Büchern von Ulli Reichmann kennengelernt (Wege zur Freundschaft & Alltagswege zur Freundschaft). Es funktioniert eigentlich so:

Dein Hund steht oder läuft in einiger Entfernung von dir. Sobald er dich ansieht – dazu kannst du ihn auch ansprechen – feuerst du ihn dazu an, schnell zu dir zu laufen. Zu Beginn kannst du auch als Motivation weglaufen. Als Signal dazu hebst du die Hand (dann funktioniert das später auch mit größeren Distanzen).

Am besten du stellst dich dabei seitlich hin, denn du möchtest deinen Hund nicht abbremsen, sobald er bei dir ist. Er darf vorbei- und auslaufen: Direkt zu ein paar Keksis, die du in seine Laufrichtung ins Gras wirfst, während er an dir vorbeizischt.

Dea liebt das Spiel, aber naja, eben nicht mit Keksen. Die sammelt sie nur so halb-enthusiastisch auf. Aber wenn sie als Belohnung ins Zergerl beißen darf, das wir ihr seitlich beim Vorbeilaufen entgegenhalten ist sie Feuer und Flamme!

Das Spiel ist super für Hunde, die ein großes Laufbedürfnis haben. Ihr könnt den Hund dafür auch zwischen zwei Personen hin- und herschicken.

Rückruftraining?! Klingt ähnlich, oder? Bitte aber kein Spielverderber sein und den Hund damit zum Anleinen austricksen.

#4 Nasenarbeit

Für Dea hat Futter eher wenig Wert – außer sie hatte vorher das Erfolgserlebnis, die Leckerlis in einem Versteck zu erschnüffeln. So haben wir sie eine Zeit lang auch hauptsächlich gefüttert, da sie aus dem Napf sehr wenig gefressen hat.

Nasenarbeit ist richtig anstrengend für Hunde und auch super geeignet zum Runterkommen zwischen Action-Sessions oder bei einer Pause am Spaziergang. Auch nach einer aufregenden Situation (z.B. der Begegnung mit einer Katze) können viele Hunde damit wieder gut entspannen.

Zu Beginn könnt ihr einfach Leckerlis ins Gras werfen und euren Hund erstmal lernen lassen, dass er dort mit ein bisschen Schnüffeln etwas Leckeres finden kann. Das lässt sich dann aber unendlich variieren: Steckt Leckerlis in die Nischen einer Steinwand, schmiert Leberpaste auf einen Baumstamm, werft die Leckerlis in ein Gebüsch, versteckt sie im Laub,..

Für Dea gilt: Je schwieriger, desto interessanter! Und wenn sie das Leckerli nicht findet, freut sie sich auch hier über gemeinsames Suchen.

Als Indoor-Variante könnt ihr die Leckerlis zum Beispiel in Packpapier oder Klopapierrollen gewickelt in eine große Kiste werfen und euren Hund suchen lassen. Eine tolle Sammlung an Ideen für solche Leckerli-Suchboxen findet ihr zum Beispiel am Dogs in the City-Blog von Sunny Benett.

#5 Vokabel lernen

Wir sind gerade am Vokabel lernen: Dea lernt zu unterscheiden, welches Spielzeug „Kong“ heißt, wie der „Ring“ (ein Puller-Ring) aussieht und was eigentlich ein „Frisbee“ ist. So können wir dann später das Spielzeug z.B. im Garten verteilen und Dea die Spielzeuge einzeln apportieren lassen. Schwieriger wird's dann, wenn die Spielzeuge auch noch versteckt werden.

Auch bei diesem Spiel ist Nachdenken gefragt statt kopfloses Hinterherlaufen! Es funktioniert auch super im Haus als Schlechtwetter-Alternative: Dea sucht drinnen zum Beispiel ihr geliebtes Plüsch-Seepferd „Alfredo“, das wir vorher versteckt haben.


Diese Spiele sind natürlich auf unsere verrückte Nudel zugeschnitten. Wenn ihr sie aber an die Vorlieben eures Hundes anpasst, könnt ihr hoffentlich einige Ideen von uns mitnehmen.

Insgesamt geht’s bei der Vermeidung von Spielsucht und Balljunkie-Verhalten viel um Abwechslung, Denkaufgaben, Pausen und die Reduzierung von Hetzjagd-Sequenzen. So wird das Spiel kooperativer und man wird vom Hund nicht einfach zur Ballmaschine degradiert.

Habt ihr auch ähnliche Spiele im Repertoire? Wie spielt euer Hund gerne?

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