5 Fehler, die wir im Welpen-Training gemacht haben und wie du sie vermeidest

Der Tag, an dem wir unsere Dea mit 8 Wochen zu uns nach Hause geholt haben war einer der aufregendsten Tage überhaupt. Wir haben lange darauf hin gefiebert und versucht, uns perfekt vorzubereiten.

  • Welpenkurs: Check!
  • Lerntheorie-Bücher: Check!
  • Viel zu viel Spielzeug: Check!

Als der schwarze Fellball dann endlich in unserem Haus herumschnüffelte waren wir super-motiviert, unser Training zu starten.

Klar stand auf unserem Plan stubenrein werden, Sitz-Platz-Steh, Rückruf, Alleine-Bleiben sowie Decken-/Boxen- und Ruhe-Training. Aber vor allem war Sozialisierung ein wichtiges Thema für uns – das Bekanntmachen mit verschiedensten Situationen und ihrer Umwelt. (Hier findet ihr einen Ratgeber & eine Checkliste zur Welpen-Sozialisierung!)

Dea war das sprühende Leben. Sie machte sehr viele positive Erfahrungen und hat ihre Liebe zu Menschen & Hunden entdeckt.

Gleichzeitig war sie aber auch nie einer der Welpen, der ehrfürchtig an den Beinen von Herrli & Frauli klebt. Ihre Umwelt war für sie immer schon sehr spannend – meist spannender als wir mit Leckerli und Spielzeug sein konnten.

Wir haben in Deas Junghundephase oft darüber nachgedacht, was wir vielleicht anders hätten machen sollen, um uns die Pubertät leichter zu machen.

Hier ist also die Liste unserer „Welpen-Regrets“ 😉 und anderen wichtigen Dingen, die wir gelernt haben!

Fehler 1: Nicht genug Fokus-Training

Als Welpe durfte Dea neue Situationen erstmal in ihrem Tempo erkunden. Erst nach einiger Zeit haben wir versucht, Ruhe in die Sache zu bringen und ihre Konzentration wieder auf uns zu lenken.

Ganz genauso geht Dea als Junghund heute noch in neue Situationen hinein: Zuerst kommt immer die Aufregung! Es wird etwas Tolles passieren, Dea weiß das genau! Erst, wenn sie sich umgesehen und alles abgecheckt hat, kann sie zur Ruhe kommen und sich wieder auf uns konzentrieren.

Das passt leider nicht immer damit zusammen, dass wir gerne gesittet von A nach B gehen würden. Oder ruhig an anderen Hunden vorbeilaufen.

Könnte ich die Zeit zurückspulen, würde ich viel mehr an Deas Fokus auf uns arbeiten, während wir gemeinsam in eine neue Situation gehen.

Für das „Einchecken“ bei uns mit Blickkontakt belohnen wir Dea heute noch sehr intensiv, da es die Grundlage für jedes Alltagsverhalten ist.

Fehler 2: Nicht genug zutrauen

Bei Ablenkung haben wir Dea zu Beginn oft viel zu wenig zugetraut. „Naja, sie kann sich noch nicht so gut konzentrieren und hat uns gar nicht gehört“ haben wir uns gesagt, als sie lieber die anderen Hunde beobachtete als auf unser „Sitz“ zu reagieren.

Oh doch, sie hat es gehört! Dea ist ein Hund, der im Restaurant unter’m Tisch schlafen, dir aber trotzdem danach sagen kann wie der Teller von Tisch 4 gerochen hat. Sie hat das „Sitz“ natürlich mitbekommen, sich aber einfach anders entschieden. Tja.

Es dauerte nicht lange, bis sie ihr Repertoire an Ausweichverhalten für unsere Kommandos perfektioniert hatte: „Was, ich soll mich hinlegen? Wart, ich muss mich unbedingt noch vorher strecken!“ sagte sie, wenn sie grad mal keine Lust hatte.

Da haben wir uns aber schnell an der Nase genommen!

Wir hätten Dea auch als Baby früher unterbrechen sollen, wenn sie im Training nach spannenderen Dingen Ausschau gehalten hat. Zum Beispiel indem wir uns vor sie gestellt hätten, ein paar Schritte mit ihr an der Leine gegangen wären, ein Leckerli geworfen hätten,… Das Kommando hätten wir einfordern sollen (solange es realistisch war, dass sie es mit ihrem Trainingsstand in der Situation ausführen kann).

Fehler 3: Zu viel zutrauen

Wir haben am Wochenende immer viel mit Dea unternommen, um ihr die Welt zu zeigen. Zusätzlich zu unseren Ausflügen hatten wir auch öfter Besuch zuhause. Zusammen war das Dea oft zu viel Aufregung – vor allem im Vergleich zu unseren ruhigen Wochentagen.

Das haben wir gespürt, wenn sie am nächsten Tag Durchfall hatte und richtig müde war. Nachdem uns das zwei Mal passiert ist, waren wir vorsichtiger damit, unsere Wochenenden nicht zu überladen und öfter „nein“ zu sagen.

Ein Event pro Tag reicht für einen Welpen – auch am Wochenende, wo man den ganzen Tag Zeit hat!

Fehler 4: Nicht früh genug Einzelstunden beim Trainer buchen

Das hört sich an, als würde ich eine Provision bekommen, oder? Nein, wirklich: Gruppenkurse sind für Dea einfach nicht das Richtige. Wir wollten uns aber trotzdem im Training begleiten lassen!

Dea agiert sehr nuanciert und gefühlt nie so, wie es andere Hunde tun. Die meisten 0815-Trainingswege funktionieren nicht für sie. Vor allem, da sie kaum futtermotiviert ist. Spielbelohnung ist in Gruppenkursen immer ein bisschen schwierig – sie ist nicht so schön ruhig wie Futter und stachelt die anderen Hunde gleich mit auf.

In den Einzelstunden haben wir neue Wege gefunden und uns immer wieder angesehen was noch nicht klappt! Sie waren ihr Geld drei Mal wert.

Ich glaube, dass auch erfahrene Hundehalter von Einzelstunden mit einem guten Trainer oder einer guten Trainerin profitieren können. Das Ego darf nur nicht größer sein als die Motivation, etwas dazuzulernen.

Fehler 5: Nervös werden

Stellt euch vor, ihr seid Perfektionist. Ihr wollt immer alles richtig machen. Und dann habt ihr ein selbst denkendes und fühlendes Lebewesen an der Leine, dem das komplett egal ist.

Mein Perfektionismus ist schon für mich als Mensch oft nicht besonders hilfreich. Im Training mit Dea hat er mich dazu gebracht, vor jedem Kurs irrsinnig nervös zu werden. Ich wollte unbedingt zeigen, was Dea konnte – denn eigentlich konnte sie schon so viel! (Heute frag ich mich, wem genau ich das zeigen wollte. Mir selbst vermutlich.)

Meine Nervosität übertrug sich 1:1 auf die kleine Dea, die trotz ihres Temperaments sehr sensibel ist. Und dann klappte natürlich gar nichts mehr. Ein Teufelskreis!

Tief durchatmen und „es sich nicht anmerken lassen“ hat da auch nichts gebracht, denn ein Hund merkt echt immer, wenn man nicht authentisch ist. Erst, als ich die Erwartungshaltung an uns als Team nicht mehr so hoch schraubte und Platz für’s Lernen gelassen habe, ist es besser geworden.

Das war harte Arbeit an mir selbst! Ich habe oft aufgeschrieben, was Dea schon alles gut kann, um es mir vor Augen zu führen. Ich habe vor einer stressigen Situation darüber nachgedacht, was ein realistisches Ziel für Deas Verhalten wäre – und dann habe ich noch ein Stückchen weniger von ihr erwartet.

In der Zwischenzeit hatte das Herrli die kleine Dea in solchen Situationen an der Leine. Er war deutlich ruhiger. So konnte ich „von außen“ realistisch zusehen und war automatisch weniger hart zu unserem Fellball.


Dea ist unser erster eigener Hund, und der erste Welpe den wir begleiten dürfen. Wir haben uns mit einem Belgier natürlich gleich viel vorgenommen! (Hier kannst du lesen, warum wir uns für einen Belgischen Schäferhund entschieden haben.)

Gelassenheit und Erfahrung kommen nicht von selbst. Man kann sie sich nicht heran-lesen.

Wir haben sicher nicht alles richtig gemacht – und tun es jetzt auch noch nicht. Fehler passieren. Wenn man im Hundetraining aber selbstreflektiert bleibt und seinen Kurs immer mal wieder korrigiert, kann man als Team daran wachsen. Und das tun wir noch immer täglich!

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