10 Wege zu mehr Ruhe & Entspannung für deinen Hund

Wer einen 300 PS-Hund hat, der macht sich früher oder später Gedanken darüber, wie man ihn dazu bringt, doch einfach mal zu entspannen. Auch für Hunde die durch ihre früheren Erfahrungen ängstlich oder unruhig sind, ist das ein großes Thema.

Gemeinsam mit dem Wissen von Trainern, Kräuterexperten & Co. haben wir deshalb diesen Artikel geschrieben. Wir möchten euch einen ganz einfachen Überblick geben, wie ihr eurem hibbeligen oder gestressten Hund weiterhelfen könnt. Unsere persönlichen Erfahrungen sind natürlich auch mit dabei!

Hier sind unsere 10 Wege zu mehr Ruhe & Entspannung:

Auslastung

1) Weniger Action

Wenn man einen „high-energy“ Hund hat (Husky, Border Collie, Belgischer Schäferhund,..), wird man besonders oft darauf hingewiesen, dass diese Hunde ja unglaublich viel Auslastung brauchen.

Ständig von Agility-Kursen zu Trickworkshops zu laufen, stundenlang einem Ball hinterherzujagen oder immer mit ins Restaurant genommen zu werden ist aber eigentlich für keinen Hund wirklich positiv. Denn bei Action und vielen Eindrücken werden Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die sich nur langsam (teilweise erst über Tage hinweg) wieder abbauen.

Kann der Hund nicht genug entspannen und Eindrücke verarbeiten, wird es seinem Körper irgendwann zu viel und er entwickelt Krankheitssymptome von Unruhe bis zu Hautausschlägen. Vor allem bekommt man dann leicht den Eindruck, dass der Hund noch mehr Action braucht, um ENDLICH müde zu werden.

Ganz im Gegenteil: Ein Hund braucht 17-20 Stunden Ruhe am Tag. Wirklich. Dea ist so ein „high-energy“ Hund und sie liegt locker 18 Stunden am Tag ruhig & gemütlich herum.

Auch Alleinebleiben tut gut: Viele Hunde profitieren davon, ein paar Stunden am Tag alleine zu Hause zu sein und nutzen diese Zeit zum Dösen - vorausgesetzt natürlich, dass der Hund das Alleinebleiben auch wirklich gelernt hat. Manche Hunde neigen nämlich dazu, sobald ein Zweibeiner zu Hause ist, diesen ständig im Auge zu behalten und reagieren auf jede Bewegung des Menschen, sei es nur ein Hochschauen, ob vielleicht gerade was Spannendes passiert.
Barbara Orth
Hundetrainerin bei VerHUNDst

Das heißt nicht, dass euer Hund keine Aufmerksamkeit oder Beschäftigung gemeinsam mit euch braucht. Aber versucht es statt der Action lieber mit:

2) Mehr Denkaufgaben

Zur Auslastung eines Hundes gehört nicht nur körperliche Aktivität. Spiele und Aktivitäten die Konzentration und Nasenarbeit benötigen, fordern Hunde mental heraus und machen sie dazu auch noch richtig müde.

Gemütliche Schnüffelspaziergänge oder kleine Schnüffelspiele machen den meisten Hunden sowieso Spaß. Auch das Tricksen kann man so gestalten, dass der Hund immer wieder nachdenken muss.

Zum Weiterlesen: Ein Artikel von uns über ein paar Spiele, die eure Hunde eher zum Nachdenken als zum Hochdrehen bringen! Auch sehr empfehlenswert sind Ulli Reichmanns "Ulli-Spaziergänge", die nicht nur für jagdpassionierte Hunde super sind, um Tempo aus dem hektischen Alltag zu nehmen.


Gebt euren Hunden am besten auch immer die Möglichkeit, bei Aktivitäten genug Pausen zu machen. Seid ihm dabei ein positives Vorbild, indem ihr euch selbst ruhig hinsetzt! Denn:

Ein gestresster Mensch kann nicht von seinem Hund verlangen, dass er entspannt ist. Wir übertragen unsere Stimmung auf unseren Hund, einige Hunde reagieren stärker darauf als andere. Dies ist vor allem bei hibbeligen, nervösen und unsicheren Hunden von großer Bedeutung.
Barbara Orth
Hundetrainerin bei VerHUNDst

Natürliche Unterstützung

Vor allem während Dea's turbulenter Pubertät, haben wir uns für gestresste Phasen natürliche und pflanzliche Unterstützung geholt.

3) CBD-Öl

Über unsere positiven Erfahrungen mit CBD-Öl für Hunde haben wir sogar einen ganzen Artikel geschrieben 🙂 CBD-Öl für Hunde kann ganz vielseitig wirken - unter anderem hilft es zu mehr Beruhigung & Entspannung.

Prinzipiell hilft es dort, wo der Körper des Hundes Bedarf hat. Das funktioniert, weil unsere Hunde ein eigenes Endocannabinoid-System im Körper haben: Ein Teil des Nervensystems, das quasi mit körpereigenem CBD funktioniert. Das CBD-Öl unterstützt dieses körpereigene System bei dem, was es sowieso schon macht (aber vielleicht gerade nicht ausreichend kann).

Vetrivital aus Österreich bietet zum Beispiel ein CBD-Öl für Hunde aus Bio-Hanf an, das ihr auch online bestellen* könnt:

Vetrivital Österreichische CBD-Produkte für Hunde

4) Kräutermischungen

Kräuter wie Kamille, Lavendel, Baldrian oder Lindenblüten haben bei Mensch & Hund eine beruhigende Wirkung und können in Stressphasen für mehr Ausgeglichenheit sorgen.

Alle diese Kräuter (und mehr) sind zum Beispiel in der Harmony Kräutermischung für Hunde von Tota vi naturae zu finden.

Diese beruhigende Mischung gehört übrigens sogar zur Gründungsgeschichte des Kräuterunternehmens: Carina und Gabi haben sie extra für Kaya zusammengestellt – Carinas Hündin aus einer rumänischen Tötungsstation.

Schon bald wurde mir klar, dass die kleine Hundedame einen enormen Stress hat - ihre seelischen Traumata haben sich auch körperlich gezeigt, indem sie extrem viel gehaart hat, in der Nacht plötzlich aufschreckte und kaum zur Ruhe gefunden hat. So habe ich mit Gabi nach beruhigenden Kräutern gesucht: Baldrian, Hopfen, Melisse, Lavendel, Passionsblume, Kamille und Lindenblüte.

Schon nach kurzer Zeit hat sie viel entspannter und ruhiger geschlafen - und die Idee der Kräuterfirma Tota vi naturae war entstanden!

Carina Leichtfried
Tota vi Naturae

Entspannende Geräusche & Gerüche

Es gibt Gerüche und Geräusche, die an sich schon entspannend wirken. Um einem gestressten Hund zu helfen werden diese Geräusche und Gerüche zusätzlich über eine Zeit lang mit Entspannung verknüpft, also konditioniert.

Dazu wird der Geruch oder das Geräusch zu Beginn nur in Situationen verwendet, in denen der Hund sowieso schon entspannt ist oder einschläft. Nach einer Eingewöhnungsphase (die Dauer ist abhängig vom Hund und der Situation) kann das Geräusch oder der Geruch dann auch „umgekehrt“ wirken und in stressigen Situationen zu mehr Entspannung verhelfen.

5) Relaxodog

Mit dem Relaxodog haben schon sehr viele Menschen & Hunde gute Erfahrungen gemacht und er wird von vielen Hundetrainern empfohlen.

Es ist ein kleines Gerät, das Klangwellen abgibt die zum Teil nur für Hunde hörbar sind. Diese Klangwellen sind so abgestimmt, dass sie schon von sich aus einen tiefenentspannten Zustand bei Hunden auslösen können. (Übrigens auch bei Menschen 😉) Zusammen mit der Konditionierung ergibt das einen tollen beruhigenden Effekt.

Ihr könnt den Relaxodog auf Amazon bestellen* oder direkt bei einigen Trainern kaufen, die das Gerät selbst gern einsetzen. Zum Beispiel bei Renate von Wedelwerk:

Ich setze den Relaxodog unterstützend zum Training gerne bei Hunden ein, die Probleme beim Alleine sein, Angst vor Gewitter haben oder sich generell schwer tun sich zu entspannen. Viele Hunde entspannen damit leichter und schneller, wodurch das Training effizienter verläuft. Fazit: Entspannungstraining geht auch ohne Relaxodog, aber es benötigt mehr Zeit.
Renate Ploder
Hundetrainerin bei Wedelwerk

6) Entspannungsduft

Um einen Entspannungsduft aufzubauen, verwendet man oft ein Hilfsmittel wie ein Duftkissen oder ein Halstuch für den Hund, auf das man ätherische Öle wie Lavendel oder Zitrone träufelt.

Wir haben uns dabei für ein Gesichtchen-Kissen mit Lavendelduft von Dog Filou's entschieden. Auch ein bisschen, weil sie so herzig ausschauen 😉

Dog Filou's Ökologisches Hundezubehör zum Wohlfühlen. Einzigartig. Bio. Handgemacht.

Die kleinen Kissen sind ausschließlich aus Naturmaterialien wie Bio-Baumwolle, Kapok und Lavendelblüten oder Zirbenflocken gefertigt.

Beiden Füllvarianten – Lavendel und Zirbe – wird ein Entspannungseffekt für Mensch & Tier nachgesagt. Wenn sich der Hund zuhause im Körbchen damit wohlfühlt, kann es auch ein toller Begleiter für stressige Autofahrten oder den Urlaub sein. Quasi ein Stück Heimat & ein Geruch, den der Hund mit Entspannung verknüpft.

Wir haben unser Gesichtchen-Kissen ursprünglich mit dem Gedanken gekauft, es Dea beim Autofahren in ihre Box zu legen. Da sie das dann (auch durch die Gabe von CBD-Öl!) nicht mehr gebraucht hat, ist es nun ein „normaler“ Kuschelfreund geworden.

Entspannende Berührungen

7) TTouch & Massagen

TTouch steht für Tellington Touch, eine Methode für entspannende Berührungen, die eigentlich aus dem Pferde-Bereich kommt. TTouch soll entspannen und Tieren Stress oder Angst nehmen.

Es gibt eine Reihe an speziellen TTouches, also kreisenden Massagebewegungen, für die man ein bisschen Übung braucht. Es gibt dazu Literatur* oder auch immer wieder Workshops.

Zusätzlich gibt es Techniken für Körperbandagen, die zum Beispiel bei Gewitterangst helfen sollen. Man kann sie entweder selbst wickeln oder zum Beispiel das Produkt Thundershirt* kaufen, das auf dieser Technik basiert.

Mehr Infos bekommt ihr zum Beispiel beim Tellington Verein:

Tellington Verein Verein zur Förderung der Tellington TTouch Trainings Methode
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Wer noch skeptisch ist, kann erstmal einfache Massagen ausprobieren, sofern euer Hund das gerne mag. Findet einfach heraus, bei welchen Berührungen sich euer Vierbeiner besonders entspannt 🙂 So eine Massage holt sich unsere Dea nach fast jedem Spaziergang bei uns ab!

Entspannungsplätze

Da wir im Homeoffice arbeiten war für uns besonders wichtig, dass unser Zuhause für Dea zur Ruhezone wird.

Auch hier haben wir mit dem Prinzip gearbeitet, Entspannung zu konditionieren – also einen bestimmten Platz oder Ort mit Entspannung zu verknüpfen. Hier die Dinge, die wir ausprobiert haben:

8) Hundebox

Eine Hundebox kann ein ganz wunderbarer Rückzugsort für den Hund sein. Eine Kuschelhöhle, in der er nicht gestört wird. Sie wird mit Kauzeug und tollen Spielen positiv besetzt und es wird belohnt, wenn sich der Hund zum Schlafen hineinlegt.

Vor allem für Welpen, die vor lauter Übermüdung oft total aufdrehen ist es eine schöne Sache, wenn sie die Box als Ruheort annehmen können.

Dea mochte die Box als Welpe überhaupt nicht - weder offen, noch geschlossen. Da drin zu liegen hatte auch mit dem besten Kauzeug drinnen keinen Reiz für sie.

Einen Welpen der sich so fühlt einfach in die Box zu sperren und „ausplärren“ zu lassen ist einfach nicht unser Ding. Deshalb haben wir bald eine andere Variante ausprobiert, um zuhause Entspannung zu fördern:

9) Hausleine

Über die Hausleine haben wir auch schon einen Artikel geschrieben! Sie ist ein Stück Leine, das der Hund zuhause angeklippst bekommt und einfach hinter sich herschleift. (Am besten wäre, wenn ihr die Leine an einem weichen G’schirrli festmacht, aber Dea mochte das beim Schlafen gar nicht!)

Zur Entspannung hilft die Hausleine, wenn ihr den Hund mit der Leine immer dann bei euch haltet, wenn er gerade Schwierigkeiten hat zu entspannen. Dazu könnt ihr sie theoretisch auch einfach erst dann anklippsen, wenn Bedarf ist. Dann „muss“ der Hund nicht mehr rastlos umherwandern, sondern ihr gebt ihm eine Hilfestellung zum Entspannen.

Für Dea war das die perfekte Methode: Sie war immer sehr dankbar für’s Anleinen und ist innerhalb von Minuten eingeschlafen. Dabei konnte sie ganz nah bei uns sein - im Gegensatz zur Box.

10) Ruhedecke

Auch die Ruhedecke ist ein spezielles Objekt bzw. ein Liegeplatz, den dein Hund mit Entspannung verbinden lernen soll.

Der Hund wird dabei auf einer Decke abgelegt. Zuerst wird er mit Leckerlis draufgelockt, dann wird die Zeitspanne vergrößert und schließlich eure Distanz zur Decke.

Ziel ist, dass ihr den Hund auch von einiger Distanz auf diese Decke schicken könnt und der Hund dann ruhig darauf liegen bleibt und entspannen kann. Beliebt ist es, mit etwas Kauzeug nachzuhelfen, denn Kauen beruhigt 🙂

Nach einiger Zeit verbindet dein Hund die Decke selbst im besten Fall automatisch mit Entspannung. Damit ist sie auch ein wunderbares Tool, das man in den Urlaub oder ins Restaurant mitnehmen kann.

Oft wird das gemeinsam mit einem Signal geübt, um den Hund auf die Decke zu schicken ("Decke") oder einem allgemeinen Entspannungssignal ("Easy"). Dea ist nach einem Signal aber immer zu sehr im Arbeitsmodus, und wartet unerbittlich wachsam auf das nächste Signal.

Falls dein Hund ähnlich reagiert, kannst du die Decke auch ganz ohne Signal verwenden, indem du sie z.B. mit der Hausleine kombinierst: Leine deinen Hund bei dir an und biete ihm die Decke einfach an, um darauf zu entspannen.

Fazit

Entspannung ist etwas, das man üben und fördern kann. Ihr seht aber aus unseren persönlichen Erzählungen, dass nicht alle Methoden für jeden Hund und jede Situation passen.

Grundsätzlich finden wir, dass sich „Entspannungstraining“ immer nach etwas anhört, das man grade mal eben 10 Minuten übt – und den Rest des Tages wieder vergisst.

Ruhe & Entspannung zu „üben“ heißt für uns aber, Ruhe immer und ganz bewusst in den Alltag zu integrieren und bewusst wahrzunehmen.

Man fördert Ruhe und Entspannung, indem man den Hund auch für seine Ruhe belohnt. Damit meine ich, erst mit dem Training zu beginnen, wenn der Hund sich ruhig verhält. So vermittle ich meinem Hund, dass es sich für ihn mehr lohnt, ruhig und entspannt zu bleiben, als wenn er ständig nervös auf und abläuft, springt, oder bellt. Das ist oft ein großes Thema bei Hundehaltern - ist der Hund „lästig“ dann wird Spazieren gegangen, gespielt oder trainiert.
Barbara Orth
Hundetrainerin bei VerHUNDst

Wenn du merkst, dass dein Hund gerade nicht zur Ruhe kommen kann, hilf ihm in dem Moment weiter und zeig ihm, dass es okay ist jetzt zu entspannen. 

Versuche dabei, nichts zu erzwingen und auf deinen Hund zu hören – denn sonst bist du vermutlich selbst so unentspannt, dass sich dein Hund unmöglich entspannen kann! 😉

Falls ihr noch weitere Hilfe braucht: Wir können bezeugen, dass ganz viele der tollen HundetrainerInnen in Österreich euch bei dem Thema weiterhelfen können! ❤️


Wir möchten uns auch hier nochmal für die tollen Inputs für diesen Artikel bei Renate Ploder (Hundetrainerin bei Wedelwerk), Barbara Orth (Hundetrainerin bei verHUNDst) und Carina Leichtfried (Mitgründerin von Tota vi naturae) bedanken! Auch bei Dagmar Fauster-Brunner (Hundetrainerin bei Hundianer) sagen wir Danke für die vielen Tipps rund um Stress beim Hund, seit Dea ein Welpe war!

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